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Pendlerstatistiken: Bundesagentur für Arbeit und Statistisches Bundesamt

Januar 3rd, 2009 · 2 Kommentare

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht hier jährlich die Statistiken zu den Pendlern in den verschiedenen “Regionaldirektionen” (auf Bundesland klicken und dann Zahlen-Daten-Fakten > Strukturdaten wählen).
Es liegen jedoch nur Berichte zu NRW und Berlin-Brandenburg vor, eine bundesweite Darstellung fehlt.

Für NRW gibt es bei 18 Mio. Einwohnern (davon 11,8 Mio. im erwerbsfähigen Alter)  5,7 Mio. sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.
Zur Ermittlung der Anzahl der Pendler wird jedoch leider nicht die Entfernung berücksichtigt, sondern lediglich die Tatsache, ob Wohnort und Arbeitsort in verschiedenen Kreisen bzw. kreisfreien Städten liegen. Mit dieser Definition ergeben sich über 3 Mio. Pendler, also mehr als die Hälfte aller Beschäftigten!

Die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg wird da schon etwas präziser. Sie unterscheiden zwischen “Nahpendlern” (<100 km Arbeitsweg) und “Fernpendlern” (>100km Arbeitsweg).
Von den 220.000 nach Berlin einpendelnden Arbeitskräfte sind 75% Nahpendler und 25% Fernpendler.
Insgesamt liegt aber die Pendlerquote mit 20% deutlich niedriger als in NRW. Das liegt meiner Meinung nach aber an der abweichenden Definition, denn ein “Pendeln” innerhalb Berlins wird hier nicht erfasst, während z.B. die Distanz von Tegel nach Mitte in NRW meist schon eine Kreisgrenzenüberschreitung und damit Wertung als Pendler nach sich zöge.

Für den Freistaat Sachsen findet sich beim statistischen Landesamt ein detaillierter Bericht über die Pendlerentwicklung in den letzten 10 Jahren. Hier kommen auf 1,4 Mio. Beschäftigte etwa 470.000 “kreisüberschreitende” Pendler (gemäß NRW Definition), also deutlich weniger als in NRW (was an den größeren und ländlicheren Kreisen liegen mag).

Was kann man aus diesen Zahlen für die Gesamt-Pendler in Deutschland abschätzen?

Von den 100% aller Beschäftigten legen als täglichen Arbeitsweg zurück:
5% über 100 km (wenn man die Zahl aus Berlin auf alle überträgt)
20% 50-100 km (wenn man annimmt, dass die Hälfte der kreisüberschreitenden NRW Pendler über 50 km fährt, und dies auf ganz Deutschland überträgt)
25% 20-50 km (der Rest der 50% NRW Pendler)
50% unter 20 km (wenn man annimmt, dass der Arbeitsweg innerhalb desselben Kreises in dieser Größenordnung liegt)

Zeitverbrauch

Für unsere Fragestellung präzisere, jedoch etwas ältere Auskunft gibt der  Mikrozensus 2004 des Statistischen Bundesamtes:

Nach den Ergebnissen des Mikrozensus vom März 2004 stuften sich
von den insgesamt 35,7 Mill. Erwerbstätigen 30,3 Mill. als Berufspendlerinnen und
–pendler ein. Als benötigten Zeitaufwand auf dem Weg zur Arbeit gaben an:

  • 77% < 30 min
  • 18% 30-60min
  • 5% > 60min

In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass

  • ca. 5 Mio. Beschäftigte im Schnitt 45 min bis zur Arbeit brauchen
  • ca. 1,5 Mio. Beschäftigte über 60 min bis zur Arbeit brauchen (nehmen wir mal im Schnitt 75 min an)

Wieviel Zeitersparnis wäre erreichbar, wenn diese “Fernpendler” nur noch jeden zweiten Tag zur Arbeit fahren müssten?

In einer Arbeitswoche arbeiten die 35 Mio. bundesdeutschen Beschäftigten 1,4 Mrd. Stunden

5 Mio. benötigen täglich 1,5 Std. zur Arbeit, macht 37,5 Mio. Stunden pro Woche

1,5 Mio.  benötigen täglich 2,5 Std. zur Arbeit, macht 18,75 Mio. Stunden pro Woche

Zusammen sind das 56,25 Mio. Stunden pro Woche. Wenn man davon die Hälfte einsparen könnte, sind das 28 Mio. Stunden pro Woche, also 2% der Arbeitszeiten insgesamt.

Wenn man sich nur die 6,5 Mio. Fernpendler mit ihren 260 Mio. Arbeitsstunden anschaut, bilden die 28 Mio. Stunden sogar über 10% ihrer Arbeitszeit!

Benzinverbrauch

Soweit die Zeitbetrachtung. Jetzt die energetische Betrachtung. Im oben bereits zitierten Mikrozensus 2004 finden sich folgende Zahlen:

12% (=3,6 Mio.) 25-50 km pro Weg

5% (=1,5 Mio.) > 50km pro Weg

davon über 80% mit dem PKW.

Das sind pro Arbeitstag dann 80% * (3,6 Mio. * 75km + 1,5 Mio. * 125 km) = 366 Mio. km.

Davon die Hälfte gespart ergibt bei 220 Arbeitstagen im Jahr = 366 Mio. km * 110 = 40 Mrd. km pro Jahr.

Bei einem Benzinverbrauch von 8 Litern auf 100 km bedeutet dies eine jährliche Ersparnis von 3,2 Mrd. Litern pro Jahr. Deutschland verbraucht im Jahr ca. 50 Mrd. Liter Benzin (inkl. Diesel), d.h. wir würden durch diese Maßnahme etwa 6% unseres Benzinverbrauchs einsparen.

Tags: Allgemeines

2 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Dirk // Feb 11, 2009 at 12:37

    “Bei einem Benzinverbrauch von 8 Litern auf 100 km bedeutet dies eine jährliche Ersparnis von 3,2 Mrd. Litern pro Jahr.”

    wow! 3.2 Mrd. Liter für ein Jahr? Das kann ich mich nicht vorstellen.. Ziemlich interessante Statistik, es ist gut, dass jemand dafür interessiert und auch darüber spricht. Weiter so! Gruß!

  • 2 illulky // Jun 1, 2009 at 11:19

    mm.. thank you